Die Fotoserie Humanistische Sehnsüchte untersucht die Spuren menschlicher Eingriffe in natürliche Wachstumsprozesse. Die Arbeiten zeigen Pflanzen, deren Erscheinungsbild durch Beschneidung, Formung oder räumliche Begrenzung nachhaltig verändert wurde. Aus ihrem Kontext isoliert und frontal porträtiert, treten die Gewächse als autonome Bildgegenstände in Erscheinung. Ihre teils irritierenden, widersprüchlichen Formen verweisen auf ein Spannungsfeld zwischen organischem Wachstum und kultureller Ordnung.
Die Fotografien lenken den Blick auf die oft unsichtbaren Mechanismen, mit denen Natur an menschliche Vorstellungen von Funktion, Ästhetik und Kontrolle angepasst wird. Die Pflanzen erscheinen dabei weniger als botanische Objekte denn als Manifestationen eines kulturellen Gestaltungswillens.
Der Titel Humanistische Sehnsüchte verweist auf das paradoxe Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt: den Wunsch nach Kultivierung, Verbesserung und Gestaltung einerseits sowie die damit verbundene Einschränkung natürlicher Eigenlogiken andererseits. Die Serie versteht die deformierten und regulierten Wuchsformen als Metaphern einer anthropozentrischen Weltsicht, in der sich Fürsorge und Kontrolle, Kultivierung und Domestizierung untrennbar miteinander verbinden.
So entstehen stille Porträts einer Natur, die nicht mehr ausschließlich sich selbst folgt, sondern die Vorstellungen jener sichtbar macht, die sie formen.